HSG-Studie

So werden traditionelle Arbeitnehmende zu Coworkern

Dezentrales Coworking ist für Unternehmen ein Paradigmenwechsel. Der Wandel von traditionellen zu flexiblen, dezentralen Arbeitsformen verlangt Begleitung. Das zeigt eine aktuelle, von VillageOffice beauftragte Studie des Instituts für Wirtschaftsinformatik und des Forschungsinstituts für Arbeit und Arbeitswelten der Universität St. Gallen.

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Um Coworker zu werden, brauchen Mitarbeitende keine Erfahrung mit flexiblen Arbeitsformen. Aber der Wechsel von einer traditionellen Arbeitsweise zu dezentralem Coworking verlangt Begleitmassnahmen in den Unternehmen. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der Studie «Coworking aus Unternehmenssicht II: Out of Office – into the Flow?».

Während einem Jahr haben das Institut für Wirtschaftsinformatik und das Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitswelten Mitarbeitende von fünf Unternehmen beim «Coworken» begleitet und deren Erfahrungen ausgewertet. Die Mitarbeitenden haben dazu in einem Coworking Space in der Nähe ihres Wohnorts gearbeitet. Die beiden Institute haben im Auftrag von VillageOffice untersucht, wie Arbeitnehmende in traditionellem Angestelltenverhältnis mit Coworking umgehen und welche Themen es dabei besonders zu beachten gilt. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Kultur der Zusammenarbeit wichtiger als Erfahrung

Um Coworking erfolgreich zu nutzen, brauchen Mitarbeitende keine Erfahrung mit flexiblen Arbeitsformen. Unternehmen, die sich auf Coworking einlassen, müssen aber bereit sein, ihre gelebte Arbeits- und Führungskultur zu hinterfragen und zu überprüfen. Wenn Unternehmen Coworking ohne umfassende Begleitmassnahmen oder ohne Auseinandersetzung mit dem Thema einführen, verändern sich das individuelle Arbeitsverhalten und die Kultur der Zusammenarbeit nicht.

Die Einführung von Coworking macht nur dann Sinn, wenn Unternehmen auch bereit sind, die bestehende Kultur der Zusammenarbeit neu zu verhandeln.

Barbara Josef

Co-Autorin der Studie

Kürzere Arbeitswege – höheres Wohlbefinden

Der grösste Nutzen von Coworking sind kürzere Arbeitswege und damit zusammenhängend mehr Wohlbefinden. Das gesteigerte Wohlbefinden und die bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben führen auch zu mehr Engagement für das Unternehmen. Weiter bietet Coworking die Möglichkeit, sich für konzentriertes Arbeiten zurückzuziehen ohne das Arbeits- und Privatleben zu vermischen, wie dies beim Home-Office der Fall ist.

Viele Studien-Teilnehmende sehen in Coworking die Möglichkeit, sich für konzentriertes Arbeiten zurückzuziehen und gleichzeitig unnötiges Pendeln zu vermeiden ohne dafür das Arbeits- und Privatleben vermischen zu müssen.

Barbara Josef

Co-Autorin

Coworking-Angebot am Wohnort

Der individuell wahrgenommene Nutzen von Coworking variiert je nach Lebenssituation, Arbeitsstil und eigenen Bedürfnissen stark. Mitarbeitende, die oft geschäftlich unterwegs sind, nutzen das Angebot von Coworking wenig. Sie verbringen die verbleibende Zeit lieber im Büro, um sich mit Arbeitskollegen austauschen zu können. Auch die eigene Bequemlichkeit ist ein Grund, Coworking weniger zu nutzen: Der Aufwand, sich im Coworking Space einzurichten, ist zu gross. Das trifft vor allem auf Arbeitnehmende zu, die keinen Coworking Space in der Wohngemeinde haben, gerne im Homeoffice arbeiten oder auch beim Pendeln im Zug arbeiten können.

Entscheidend ist ein Coworking-Angebot in der Wohngemeinde.

Remo Rusca

Partner VillageOffice

Die Studie

Das Institut für Wirtschaftsinformatik und das Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitswelten haben im Auftrag von VillageOffice die Folgen und Wirkung von Coworking auf Unternehmen und Mitarbeitende untersucht. In der Studie «Coworking aus Unternehmenssicht II: Out of Office – into the Flow?» haben sie fünf Unternehmen begleitet, die im Rahmen der Coworking Experience Erfahrungen mit Coworking sammelten. Die 20 Coworker von Lista Office, Repower, Tetra Pak, BIT und HHM, die völlig frei waren in der Wahl des Arbeitsortes (Büro, Homeoffice, Coworking, mobiles Arbeiten) haben während des Jahres insgesamt 501 Besuche in Coworking Spaces absolviert. Im Schnitt hat eine Person 25 Mal einen Coworking Space besucht. Der Median von 6 Besuchen pro Person zeigt jedoch eine ungleiche Verteilung. Die Erkenntnisse beruhen auf der qualitativen Auswertung von Interviews mit den Studienteilnehmern sowie der Erfassung der Besuchszahlen in den Coworking Spaces.

HSG-Artikel zur Studie

Download der Studie

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Remo Rusca

Remo Rusca

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